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Und jetzt? Linux oder Mac?

Ich mag es kaum glauben. So gerade beschleicht mich etwas wie Wehmut. Ich muss morgen das Testgerät vom Dynabook Tecra X40-F zurückgeben, auf dem ich Linux in allen Facetten getestet habe. Und ich mag nicht so wirklich gehen. Es hat richtig Spaß gemacht, obwohl oder gerade weil Linux so unperfekt ist. Und obwohl ich da bestenfalls Anfänger-Wissen habe. Deepin war am Ende zu anfällig, aber mit Ubuntu und manchmal Kubuntu/Plasma kam ich jetzt richtig gut zurecht. Teilweise wirkt es weiter, auf jeden Fall mit mehr Enthusiasmus umgesetzt als ein zuletzt kaum noch weiter verbessertes (allerdings schon seit Jahren nahezu perfektioniertes) macOS.

Ich brauche ein neues Notebook, das steht fest. Aber welches soll es werden? Schaut man sich mal um, gibt es eigentlich nur zwei ernstzunehmende Hersteller, die Notebooks von Haus aus mit Linux bestücken: Lenovo und Dell. Lenovos treffen nicht ganz so meinen Geschmack. Ein gangbarer Weg wäre das Dell XPS 13 2-in-1. Allerdings bietet Dell nur das XPS 13 ohne Touch in einer Version mit Ubuntu an. Auf dem anderen könnte ich auf eigene Faust Ubuntu installieren. Dann wären aber einige Teile wie die Webcam nicht mit der aktuellen Ubuntu-Version 19.10 kompatibel. Außerdem geht bei Linux immer irgend etwas schief. Deswegen wäre es eigentlich stark, da ein von Haus aus installiertes Linux und auch noch ein wenig Support zu haben. Nur müsste ich dann ohne Touchscreen auskommen.

Also doch wieder Mac? Das neue MacBook Air erhält gute Kritiken. Touch gibt es hier auch wieder nicht. Da müsste ich zum iPad Pro mit Magic Keyboard greifen. MacOS macht schon noch einige Dinge besser als Linux. Einzelne Apps haben schlicht einen höheren Reifegrad. Und manchmal sind es kleine Dinge, wie, dass irgendwie nur Apple die kluge Idee hatte, eine Musik-On/off-Taste gleich ins Gerät einzubauen ebenso wie Skip-Tasten. Muss ich einmal Bilder im Dutzend verkleinern (und das muss ich oft genug), kann die Vorschau das mit nur einem Befehl.

Oder ein MacBook Air und darauf Parallels mit Linux installieren? Wäre auch noch eine Möglichkeit. Vielleicht sogar die Beste, die mir gerade einfällt. Touchscreen… ach, egal…

Verdammte Axt, ich hätte nicht gedacht, dass die Auswahl so schwierig sein würde! Aber ohne Linux würde mir etwas fehlen, das weiß ich.

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Meh

Was wurde eigentlich aus der Abschaffung der Zeitumstellung?

Die Zeitumstellung, die uns gestern Nacht wieder eine Stunde Schlaf gekostet hat, sollte eigentlich abgeschafft werden. Der damalige EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker sprach sich Anfang 2019 dafür aus und forderte von den Mitgliedsstaaten eine rasche Einigung, so dass die Zeitumstellung spätestens 2021 Geschichte sein sollte. Wie viele andere stimmte ich vergangenen Frühling für die dauerhafte Beibehaltung der Sommerzeit. Seitdem ist aber nicht viel passiert. Die EU-Mitgliedsstaaten haben sich nicht einigen können.

Klingt nach üblicher europäischer Bürokratie und kleinstaatlichem Hühnerhaufen, hat aber, je mehr man darüber liest, durchaus nachvollziehbare Gründe. So haben etwa das westspanische La Coruna und die rund 2.000 km weiter östlich gelegene polnische Hauptstadt Warschau die gleiche Zeitzone (MEZ). Das hat eher politische als geografische Gründe. Demnach wäre die mitteleuropäische Zeit eigentlich nur in Görlitz an der deutsch-polnischen Grenze korrekt, das auf genau 15 Grad östlicher Länge von Greenwich liegt. Hier erreicht der Sonnenstand nach „Normalzeit“ um 12 Uhr mittags den höchsten Punkt. In Westspanien wäre das erst weit nach 13 Uhr der Fall, in Ostpolen hingegen schon gegen 11 Uhr. Bei dauerhafter Sommerzeit alles eine Stunde später, in La Coruna also erst gegen 14 Uhr.

Damit würde es in La Coruna mit dauerhafter Sommerzeit auch erst zwei Stunden später hell, als eigentlich „natürlich“ wäre. Gleich doppelt schlecht etwa für Schulkinder: Sie müssten gerade in den Wintermonaten morgens deutlich länger im Dunkeln zur Schule (wo statistisch gesehen mehr Unfälle passieren) und wären dazu noch unausgeschlafen, weil das blaue Tageslicht beim Wachwerden hilft.

Und dann gibt es noch Länder wie Finnland, in denen es im Sommer überhaupt kaum mal dunkel wird, was dafür sorgt, dass die Leute schlechter schlafen. Ein wenig mehr Dunkelheit zu früherer Stunde wäre höchst willkommen. In Finnland ist die Mehrheit deswegen für die dauerhafte Winterzeit.

Alles für mich nachvollziehbare Gründe. In Deutschland freuen wir uns über lange Sommernächte und hätten auch nichts gegen etwas später noch Tageslicht in den tristen Wintermonaten. Wir haben aber auch gut Reden, wenn wir nah dran an der „natürlichen“ Zeit sind.

Also wieder mehr Zeitzonen einführen? Sollen die Spanier halt eine Stunde vor gehen und die Polen eine Stunde zurück? Würde auch nicht wirklich dafür sorgen, dass wir in Europa näher zusammenwachsen, und wäre für pan-europäischen Transit eher hinderlich. Klingt mir aber eigentlich nach einer besseren Lösung als ein „großeuropäischer Zeitenkompromiss“, der so einfach wohl nicht möglich ist.

Das nur als Erinnerung, dass die Anderen nicht alle doof sind, sondern das das mit einer einheitlichen, dauerhaften Sommer- oder Winterzeit so einfach eben nicht ist.

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Yeah

Corona Baldie

Wenn, dann jetzt.

Ich könnte nur was ausgeschlafener in die Landschaft gucken (obwohl ich’s eigentlich bin).

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Meh

Okay, so langsam wird mir langweilig

And that might be a good thing.

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OK

Ein paar Gedanken über Corona

Ich war gerade eine Runde draußen (und bin froh, dass das noch geht). Dabei macht man natürlich Beobachtungen und sich so seine Gedanken.

  • Viele Restaurants verkaufen jetzt außer Haus. Bei mir in der Gegend sind das gleiche mehrere (Italiener, Asiate, Spanier…) Wenn ihr wollt, dass es sie nach der ganzen Sache noch gibt, dann ruft da einfach mal an, bestellt was vor und holt es ab.
  • Generell: Ruft doch mal an (oder schickt, bisschen diskreter noch, eine Sprachnachricht). Ihr müsst es ja nicht gleich übertreiben. Aber alle paar Tage mal ein gutes Gespräch mit einem Freund ist ein ganz guter Ersatz für nun ausbleibende soziale Kontakte.
  • Mittlerweile sind die Leute allerdings auch gefühlt des Kommunizierens ein wenig überdrüssig. Die vergangenen Tage flatterten noch täglich mehrmals „Wie geht’s dir?“-Nachrichten oder Klopapier-Memes ins Haus. WhatsApp-Status blüht mehr denn je, ansonsten scheinen die Leute mittlerweile ein klein wenig mehr auf Abstand zu gehen – auch, weil sie mit dem weniger Abstand zuhause erstmal klarkommen müssen. Die Nachrichten werden weniger. Zum einen brauchen wir vielleicht alle gerade wirklich etwas Ruhe. Zum anderen ist die Krise aber auch schneller Alltag geworden, als man für möglich gehalten hat.
  • Ähnlich wie bei Restaurants sieht es mit einigen Einzelhandelsgeschäften aus. Sie verkaufen außer Haus. Auch das eine gute Möglichkeit, sie in diesen wirtschaftlich sehr schweren Zeiten zu unterstützen. Rainer hat es hier schon kommentiert und die Idee scheint mir eigentlich gut: Wenn ihr etwas einkaufen wollt, dann guckt doch vielleicht erstmal, ob das Geschäft, zu dem ihr sonst gegangen wärt, nicht auch einen Online-Shop hat, bevor ihr direkt zu Amazon geht. Was mich zum nächsten Punkt bringt:
  • Wohl dem, der jetzt einen Online-Shop hat! Praktisch jedes Geschäft hat jetzt einen Info-Zettel an der Tür hängen, ob und wie man gerade noch etwas verkauft. „Ihr könnt bei uns online oder telefonisch bestellen“ schreiben die einen. „Ihr findet uns weiterhin auf Facebook oder Instagram“ die anderen. Wer von beiden ist wohl besser aufgestellt…
  • Es war noch nie so einfach wie jetzt, dumme Leute auf der Straße zu erkennen. Ich sage nicht, dass jeder sofort eine hohle Nuss ist, nur weil er noch im Pulk mit anderen rumsteht. Aber die paar, die ich gerade unterwegs traf, und die zu fünf oder sechs im Kreis standen, teils vor sich hin spuckend (wie blöd kann man sein!), sah man die Dummheit aus drei Kilometern Entfernung an. Vielen Dank für diesen Einblick!
  • Was im Umkehrschluss aber auch bedeutet: Die allerallermeisten Anderen sind zuhause geblieben, haben es also begriffen. Wie auch im Supermarkt die meisten mittlerweile wirklich auf Abstand gehen und überhaupt die meisten Maßnahmen beherzigen. Das ist nicht nur schlau, das ist auch nachsichtig. Manchmal ist die Welt doch gar nicht so schlecht.
  • Zumindest bis morgen, Samstagnachmittag. Denn wie ich meine Pappenheimer kenne, halten gute Vorsätze nur so lange wie man arbeitsmüde in der Ecke liegt. Bei schönem Wetter am freien Samstag setzt der Herdentrieb ein. Cafés haben zum Glück geschlossen, aber es wird viele, viele Leute nicht davon abhalten, sich in Gruppen auf öffentlichen Plätzen zu versammeln.
  • Das heißt auch: Das Laissez-faire der Bundesregierung fruchtet nicht. Es werden Ausgangsbeschränkungen auch hier kommen, wie einzele Bundesländer und Städte sie schon eingeführt haben.
  • Mit der erzwungenen Freizeit könnte man jetzt eigentlich ganz schön viel Sinnvolles anfangen. Aufräumen, ausmisten, renovieren, ein gutes Buch lesen, vielleicht auch – wie wir es im Trendblog vorgeschlagen haben – mit spannenden Online-Angeboten etwas Neues lernen. Reell ist mir gerade am meisten danach, zu couchen und weiter „The Morning Show“ zu sehen. Wie das kommt? Weil die Woche sich abgesehen vom Ausnahmezustand so sehr gar nicht von anderen unterschieden hat. Es gab viel Arbeit und sehr viel Information zu verarbeiten. Der eine oder andere hat jetzt auch noch lärmende Kinder ständig im Haus. Meine Prognose deswegen: Vielleicht sind wir in 2-3 Wochen dann auch mal etwas aufnahmefähiger, aber die ersten erzwungenen Tage zuhause werden die meisten nicht viel Anderes tun als netflixen, zocken oder die Kinder zu bespaßen.
  • Und nach Corona? Rainer schickte mir einen Link zu einem Essay von Zukunftsforscher Matthias Horx: Die Welt nach Corona. Horx malt darin das rosige Bild einer entschleunigten Gesellschaft, bewusst über das, was wirklich wichtig ist (gute soziale Kontakte z.B.) und von den Schattenseiten des Kapitalismus größtenteils geheilt. Zur Normalität, wie wir sie kannten, würden wir niemals zurückkehren. Liest sich gut, mag ich aber nicht so ganz glauben. So leicht werden wir wohl nicht auf unseren Wohlstand verzichten, der im Kapitalismus eben auch begründet ist. Aber einige Dinge werden sich ändern, haben sich schon jetzt geändert. Und, ja, ich sehe auch, dass die Krise durchaus auch ihre rosigen Seiten hat.
  • Und dann fragt man sich einige Dinge über den Kapitalismus, die so absurd sind, dass man sie wirklich zu lange nicht gefragt hat. Um in meiner Branche zu bleiben: Warum muss es z.B. über 200 verschiedene Notebooks geben, die sich größtenteils ähneln wie ein Ei dem anderen? Warum reicht ein Smartphone namens E15 nicht? Warum muss es auch ein E15 Pro, Pro Premium Edition, Lite, Plus, i, i smart, i smart lite, i smart young geben? Neben einem Y (2020), Pro, smart, lite, plus, i, i smart lite… (jeweils fiktive Namen aber keine fiktive Darstellung)? Warum von jedem Hersteller? Warum jedes Jahr aufs Neue? Was soll die Scheiße eigentlich? Das ist Kapitalismus, den wirklich keiner braucht.

Ein abschließendes Fazit habe ich hier gar nicht. 🙂 Bleibt’s gesund und macht’s a guade Stimmung vernünftig, dann ist der ganze Mist vielleicht noch vor dem Sommer zu Ende.

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Meh

Verhängt lieber gleich eine Ausgangssperre

Die Bundesregierung möchte lieber abwarten, bevor sie eine Ausgangssperre verhängt. Sie appelliert an die Vernunft der Leute, sich an einem sonnigen Samstag, in der alle Freizeit haben, nicht in großen Gruppen zu treffen. Lasst mich raten, wie gut das funktionieren wird… gar nicht. Vielleicht zeigen sich sogar 90 Prozent vernünftig, das reicht aber nicht. Die Zahl der Infizierten in Deutschland hat mittlerweile die 10.000 locker überschritten. Selbst in Italien, das die Ausgangssperre schon verhängt hat, steigt die Zahl der Infizierten (und die der Todesfälle) munter weiter. Warum sollten wir das ganze noch weiter eskalieren lassen?

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Yeah

30€-Fitnessstudio für zuhause

Ich halte gar nichts von Heimtrainern. Die machen keinen Spaß, nehmen viel Platz weg und enden als Kleiderständer. Aber so ganz ohne Turnhalle und Fitnessstudio werde ich die nächsten Wochen wohl nicht überstehen. Bestellt habe ich mir deswegen eine Gymnastikmatte und ein paar Fitnessbänder mit Türhaken für zusammen nicht mal 30 Euro. Am Ende merke ich vielleicht noch, dass ich gar kein Fitnessstudio mehr brauche…

Ah, nein, keine Chance. Hätte mir vor fünf Jahren nicht ausmalen können, das mal zu sagen, aber: Ich war tatsächlich gerne da. Zuletzt die Übungen zu finden, die mir gut tun, die unterstützenden Übungen für mein Abnehmen-durch-Minimalismus-Programm (ohne wäre es nicht gegangen). Und, na ja, auch wenn ein Fitnessstudio kein Tischtennisverein ist, der die Leute zu einer eingeschworenen Gemeinschaft werden lässt: Ich mag das Personal da eigentlich, und schön war’s auch, immer mal wieder die eine oder andere bekannte Nase für einen Small Talk dort zu treffen. Ich hoffe, sie kommen irgendwie durch die Krise.

Und nichts auf dieser Welt ersetzt „mein“ Rudergerät. 10 Minuten bei jedem Training. Selbst dafür hat sich der Gang dahin meistens schon gelohnt. Kann man sich sogar für zuhause kaufen, kostet dann aber 1.300 Euro (oder 300 in der Light-Variante). Aber, siehe oben, ein Heimtrainer kommt mir nicht ins Haus. Nee, machen wir anders. Ich zahle euch den Monat, damit das Studio überlebt und wir beenden dann einfach die allgemeine Corona-Krise Ende April. Alle einverstanden?

P.S. Die Lieferfristen bei Amazon sind ganz schön gestiegen. Matte und Bänder kommen wohl erst am Wochenende. Ein Buch, das ich bei der Gelegenheit gleich mitbestellt habe, sollte gar erst in 1 Woche kommen. Bei der Frage nach der Lieferadresse war ich tatsächlich hin- und hergerissen. Nachhause liefern lassen für den kurzen Sozialkontakt mit dem Paketboten, bevor ich hier vereinsame, oder Packstation, um einen Grund zu haben, in der bald kommenden Ausgangssperre das Haus zu verlassen. Corona ey, was machst du mit uns…

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Meh

Corona Pros & Cons

Krise, welche Krise? Heute auf dem Frankenbadplatz vor meinem Haus war Stimmung wie immer. Straßenmusiker spielten die Rolling Stones, der Caféwagen war wie immer da, die Kinder tobten, die Leute saßen in Gruppen zusammen und tranken Bier. Es war ein wunderschöner, sonniger Tag, die Stimmung ansteckend. Alles wie immer, könnte man fast meinen. Man muss nur das Beste draus machen.

Und mittlerweile kann ich der Corona-Geschichte sogar Positives abgewinnen. Seit klar ist, dass wir uns einschränken müssen, spüre ich einen beinahe ungekannten Zusammenhalt in meinem Haus. Die WhatsApp-Gruppe ist aktiv, eine Nachbarin aus dem Nebenhaus, die ich gar nicht kannte, hängt einen Zettel auf, in dem sie anbietet, für eingeschränkte Personen einkaufen zu gehen. So viele Gespräche mit Nachbarn (aus sicherer Entfernung) wie in den letzten Tagen habe ich schon lange nicht mehr geführt. Wir bieten uns gegenseitig Hilfe an. Corona schweißt zusammen.

„Ist dir was aufgefallen?“, meinte mein Nachbar im Treppenhaus dann noch: „Plötzlich redet keiner mehr von einer Flüchtlingskrise.“ Oder überhaupt von irgendwas anderem. An einer Straßenecke fällt mir die Werbung eines Internetproviders auf: „Endlich WLAN in jeder Ecke deiner Wohnung“. Vor zwei Wochen noch hätte mich das brennend interessiert. Heute reicht es mir, in meinem Arbeitszimmer WLAN zu haben und die Leitung mit zwei Nachbarn teilen zu können, ohne große Einbußen zu haben.

Ich denke viel an meine Ex-Freundin. Erst vor zwei Wochen haben wir beschlossen es zu beenden, weil es irgendwie schwierig geworden war. Heute würde ich mir wünschen, sie wäre hier. Die Prioritäten haben sich komplett verschoben, alles andere wirkt so klein. Wie so oft merken wir wohl erst in Zeiten der Krise, was wirklich wichtig ist.

Gegen Abend ist die goldene Stimmung dann aber auch schnell vorbei. Mit den schnell fallenden Temperaturen verschwinden die Leute. Ich gehe noch einmal zum Supermarkt etwas einkaufen, auf dem Weg dahin begegne ich nur einem kleinen Mädchen, ihrem Hund und ihrer Mutter. Wir gehen alle auf Distanz. Eine Frau wandert langsam durch die Straßen, das Licht an ihrem Smartphone dauerhaft eingeschaltet. Es wirkt bizarr. Die Straßen sind deutlich leerer als sonst, die Restaurants, die noch geöffnet haben, natürlich auch. Dafür umso mehr Polizeipatrouillen. Ich sehe in der kurzen Zeit 5 Streifenwagen durch das Viertel fahren. Es herrscht eine fast gespenstische Stimmung und noch ist nicht einmal eine Ausgangssperre beschlossen.

Im Edeka das gleiche Bild wie im Penny heute Nachmittag. Einzelne Lebensmittel und Bedarfsgegenstände sind überall ausverkauft. Seife gibt es so gut wie keine mehr, Klopapier ist völlig aus. Selbst Waschmittel finde ich kaum noch. Eine Frau an der Kasse neben mir beklagt sich, dass es in keinem Supermarkt mehr Mehl gäbe. Auch Pasta wird knapp. Toilettenpapier-Memes fluten die sozialen Netzwerke, Desinfektionsmittel gibt es schon seit Tagen nicht mehr.

Das sei nur ein logistisches Problem, sagen Politiker und die Handelsketten. Es herrsche kein Notstand. Nun ja, aber offenbar doch, sonst gäbe es ja was. Notstand kann auch durch Hamsterkäufe verursacht werden. Und was ist eigentlich, wenn im Sommer Erntehelfer fehlen, weil jedes Land in Europa gerade seine Grenzen willkürlich dicht macht und Arbeitskräfte fehlen? Da herrscht ein völliges Gegeneinander, kein Miteinander.

Mittlerweile hat die Zahl der Infizierten in Deutschland 7.000 überschritten. Von gestern auf heute ist Zahl enorm geklettert. Das ist dieses exponentielle Wachstum, von dem man viel gelesen hat, aber es nicht wahrhaben wollte. In wenigen Tagen werden wir hier italienische Verhältnisse haben, die Maßnahmen werden verstärkt werden müssen. Das wird den Leuten nicht gefallen. Und schlechte Stimmung ist ebenso ansteckend wie gute.

Noch bin ich frohen Mutes. Es könnte schlimmer sein. Das Wetter könnte schlecht sein, man hat mir eine Jobgarantie ausgesprochen (die natürlich auch nur solange gilt, wie mein Hauptauftraggeber noch Umsätze macht). Aber ob wir wirklich, wie erhofft, Ende April mit allem durch sein werden, Staatshilfen uns gerettet haben und wir weiter machen können wie bisher: das ist eben die große Frage.

Aber vielleicht müssen wir auch gar nicht weitermachen wie bisher. Vielleicht haben wir dann endlich das Miteinander neu gelernt.

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Mein System ist cooler als deins

Wisst ihr noch, als man sich um so Sachen wie Mac vs. Windows oder iOS vs. Android gezofft hat? Hat genervt, aber war vergleichsweise harmlos im Vergleich zu dem, worüber man heute im Alltag so Diskussionen führt. Interessant finde ich, dass es mittlerweile wieder eine halbwegs stattliche Auswahl an Betriebssystemen gibt und die Frage sich tatsächlich wieder stellt, was man nimmt. Nachdem ich ein paar verschiedene Systeme zuletzt ausprobiert habe, möchte ich folgende, natürlich rein subjektive Rangliste aufstellen, weil Ranglisten Spaß machen:

Meine aktuellen Lieblings-Betriebssysteme für Notebooks oder Notebook-ähnliche Systeme

  1. Eine noch nicht erfundene neue Version von macOS mit Touch-Unterstützung, der Leichtigkeit von Chrome OS, wirklich (!) schnelles Hochfahren, nahtloser Smartphone-Integration (nicht nur iOS) und modernisierten Systemprogrammen
  2. macOS (Catalina)
  3. Ubuntu (19.10)
  4. Deepin (15.11)
  5. Chrome OS (79)
  6. Voyager OS (19.10)
  7. Windows 10 (1909)
  8. Android (9/10)
  9. iPad OS (13)

Drüben auf dem Trendblog habe ich ja gerade Deepin getestet. Und, was soll ich sagen. Schöne Optik entschädigt natürlich für so vieles. Aber wenn dann immer wieder die gleichen, offenbar unlösbaren Probleme auftauchen und einige Komfortfunktionen im Vergleich zu anderen Systemen dann doch fehlen, dann nervt das irgendwann. Apps sind es übrigens nur am Rande. Da bin ich auf Linux eigentlich beinahe wunschlos glücklich, was ich von Chrome OS leider nicht behaupten kann. Was ist euer aktueller Favorit?

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Yeah

Und wenn Corona uns alle zusammenschweißt?

Es wird Zeit, über die positiven Effekte von Corona zu sprechen. Wir sollen möglichst zuhause bleiben, soziale Kontakte meiden. Erste Länder wie Dänemark, Polen und Tschechien lassen uns nicht mehr rein, Sportvereine machen dicht, Kitas und Schulen sind zu, erste Geschäfte auch, Flüge werden gestrichen, in Belgien sind Cafés und Restaurants dicht. In einer Woche vermutlich überall in Europa. Schotten dicht.

Nein, das sind noch nicht die positiven Effekte. Im Gegenteil. Einen derart harten Einschnitt in unsere Bewegungsfreiheit gab es Zeit meines Lebens noch nie. Grenzkontrollen in Europa kenne ich noch, ja. Aber die haben nur Zeit gefressen, reingelassen haben sie dich am Ende.

Aber wenn wir jetzt alle 6-7 Wochen alleine zu Hause abhängen sollen, kann das doch eigentlich nur zur Folge haben, dass wir zu schätzen lernen, was wir vorher hatten und als selbstverständlich erachtet haben. Tag und Nacht einkaufen, überall hin reisen. Wir werden uns nach anderen Menschen sehnen, viele Leute treffen und danach reisen wollen, was das Zeug hält. Alles, was wir vorher schon gekonnt hätten aber viel zu selten gemacht haben. Und das könnte uns in Europa wieder näher zusammenbringen.

Wenn wir das alle überleben und danach noch Jobs und Geld haben.

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Home Office Pro Tips

Kluge Idee, seine Mitarbeiter wegen Corona ins Home Office zu schicken. Der Trend grassiert gerade. Aber wie soll das gehen, fragen sich besorgte Chefs. Wie soll ich meine Leute da noch überwachen, wie kann ich da für die gleiche Beschallung sorgen wie im Großraumbüro, wie kriege ich meine Mitarbeiter dazu, trotzdem noch 12 Stunden am Tag zu arbeiten und die gleiche Produktivitätsrate zu erzielen?

Darauf habe ich leider keine Antwort. Aber nach über 15 Jahren im Home Office kann ich vielleicht ein paar Tipps für zuhause arbeitende Mitarbeiter weitergeben. And here we go:

  • Schlafe aus. Ja, as simple and decadent as that. Nutze die frei gewordene Zeit des Pendelns nicht für das ARD/ZDF-Morgenmagazin, für Aufräumen, Hipster-Shishi oder gar dafür, noch früher mit der Arbeit anzufangen. Schlafe aus und merke, wie gut dir das tut.
  • Mach dein Bett und zieh dir eine Hose an. Rein psychologischer Effekt. Das Bett zu machen erdet dich, die Hose anzuziehen (dich vorher noch zu waschen: durchaus erlaubt) vermittelt dir das Gefühl, dass jetzt die Arbeitszeit beginnt.
  • Hab’s hüsch. Richte dir ein schönes, aber nicht zu gemütliches Büro ein. Sonnenlicht, Pflanzen, fühl dich wohl. Idealerweise hast du das in deinem eigentlichen Büro auch. Wenn nicht, hast du hier endlich die Chance dazu.
  • Schmeiß mögliche Ablenkungen raus. Arbeite nicht da, wo auch Fernseher und Playstation stehen. Aus den Augen, aus dem Sinn. Räum deinen Schreibtisch leer, schaue auf eine aufgräumte Wohnlandschaft.
  • Don’t fight the urge, go with it. Wenn du deinen eigenen Rechner benutzt und dann die Chance hast, während der Arbeit „Assassin’s Creed“ zu spielen oder stundenlang im Internet zu surfen… Tu’s nicht, aber hab kurzweiligen Ersatz da. Vor der Arbeit eine Runde Solitaire zu spielen, tut keinem weh, sortiert dich sogar. Oder zock halt in der Mittagspause eine Viertelstunde. Mehr aber auch nicht. Und schmeiß Spiegel Online aus deiner Shortcutleiste.
  • Sei ständig mal nicht erreichbar. Schalte alles Gepiepe und Geblinke aus. Keine Benachrichtigungen (schon gar keine akustische!), mach dein Mailprogramm auch mal aus. Das erhöht die Chance auf ablenkungsfreies Arbeiten.
  • Leg Pausen ein. Hat sich das alles erst eingespielt, tendiert man eher dazu, im Home Office viel zu lange zu sitzen und am Stück zu arbeiten. Vergiss Pausen nicht! Steh mal auf, geh ans Fenster, in die Küche, mach dir einen Kaffee. Und mach eine ganz normale Mittagspause zu einer christlichen Zeit!
  • Finde deinen Sweet Spot. Durch das Home Office hast du womöglich die Chance herauszufinden, zu welchen Tages- und Nachtzeiten du am produktivsten bist und wann gar nichts geht. Meistens sind solche Phasen 3-4 Stunden lang. Versuche, diese Phasen auszunutzen (Hauptarbeit in die produktiven Phasen, Organisatorisches in die Totphasen). Das geht allerdings nur bei langfristigem Home Office. Ich habe Jahre gebraucht, um das rauszufinden…
  • Der Rest kommt von alleine. Du wirst wahrscheinlich ohnehin nach üblichen Terminen arbeiten, mit deinem neuen Remote-Team in Kontakt stehen. Sprich: Selbst wenn du mal einen Nachmittag verdaddelst – und das wird passieren! – irgendwann läuft dir die Zeit davon und du musst die Arbeit machen, weil es sonst Ärger gibt. Glückwunsch. Das sind deine produktivsten Phasen. Irgendwann lernst du, wie du sie auch ohne Zeitdruck einlegst.

Alles gar nicht so überraschend, oder? Willkommen zuhause!

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Meh

Corona, Corona, Corona

Ich halte es ja einerseits für übertrieben, dass sie in den nächsten Wochen wohl komplett Europa lahmlegen werden, weil gerade ein besseres Erkältungsvirus unterwegs ist. Ist das verhältnismäßig? Würden sie das für die Grippewelle machen? Haben sie das beim Noro-Virus getan, das in meinen Augen viel gefährlicher war? Aktuell brechen die Finanzmärkte ein wie zuletzt 2007, viele Menschen verlieren wichtige Aufträge oder gleich ihre Arbeit, weil gefühlt alle durchdrehen.

Andererseits wäre es irgendwo auch zynisch zu sagen: „Die Grippe rafft jedes Jahr mehr Leute dahin, und Corona trifft nur die Alten und Schwachen. Also was soll’s!“ Nee, da denke doch jeder an seine Verwandten älteren Kalibers und ob man nicht lieber mal ein paar Wochen lang alle nach Hause schickt, um Leben zu retten.

Dass es alles nervt wie die Sau, darüber brauchen wir nicht zu reden. Das geht allen so. Ich hoffe, wir wenden das Schlimmste ab, nach 4, 5 Wochen Tabularasa ist das alles gegessen, das Virus ausgerottet, die Gesundheitssysteme beim nächsten Mal besser vorbereitet. EM und Olympia können stattfinden und wir werden unsere Reisefreiheit in Europa nicht nur besser zu schätzen lernen, sondern auch mal richtig ausnutzen, auf dass es ein toller Sommer werde. Hoffentlich.

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Tech

„Nutzen Sie die AOL-Suche?“

Gestern befragte mich Kantar zu meinem Medienkonsum. Immerhin: Sie kannten Instagram und fanden es offensichtlich seltsam, dass ich weder Facebook noch Twitter (noch) benutze. Die Frage, auf welchem Gerät ich Radio höre oder fernsehe kam gar nicht erst. Dafür die Frage, welche Suchmaschinen ich benutze. „Google?“ Klar. „Bing?“ Nope. „Yahoo?“ Gibt’s die noch? „AOL-Suche?“ AOL-was?

Tatsache, sie haben mich gefragt, ob ich die AOL-Suche benutzen würde. Klar, man lebt in seiner eigenen Filterblase, aber ich hatte nicht mehr auf dem Schirm, dass es AOL überhaupt noch gibt, geschweige denn, dass die eine eigene Suchmaschine haben sollen.

Aus Spaß also tatsächlich noch einmal AOL.de eingetippt. Nach 10 Sekunden erscheint eine Nachrichtenseite. Xavier Naidoo bei DSDS rausgeflogen, Tom Hanks hat sich Corona eingefangen. Gott sei Dank. Eine Suche gibt es tatsächlich:

Drückt ihr auf Enter, erscheint auch eine Suchergebnisseite und ganz unten der Hinweis „Powered by Bing“. Ich habe nie ganz verstanden, wer so etwas wie einen Online-Dienst überhaupt gebraucht hat. Dasselbe mit T-Online. Irgendeine der 30 AOL-CDs, die ich bis dahin mal angesammelt hatte, gab mir ca. anno 2000 mal einen kostenlosen Monat ohne Fallstricke. Das war das erste und einzige mal, dass ich wissentlich etwas mit AOL zu tun hatte.

Schaut man sich die Historie an, war mit AOL zuletzt einiges los. Vor rund 10 Jahren kaufte AOL bekannte Online-Postillen wie Huffington Post, Engadget und Techcrunch. Später wurde AOL selbst von Verizon übernommen, das die Marke mit Yahoo zusammen zur neuen Marke Oath verschmolz. Auch Yahoo gibt es noch, sieht so ähnlich aus, ebenfalls powered by Bing, beide Seiten haben ein deutsches News-Angebot, vermutlich aus derselben Redaktion.

Aber ganz ehrlich: Wer nutzt denn sowas noch? News und Mail gibt es überall im Netz, Google ist seit 20 Jahren die beste Suchmaschine, wer Google nicht mag, mag auch Microsoft nicht und geht bestenfalls zu DuckDuckGo. Gibt es tatsächlich noch Millionen von Nutzern, die an ihren uralten Gewohnheiten hängen und Konzerne, die davon noch leben können?

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Tech

Deepin Linux im Video

Der Testbericht kommt voraussichtlich am Wochenende aufs Trendblog. Hier schon einmal das kurze Übersichtsvideo. Deepin kommt in meinen Augen nicht ganz an macOS heran, dafür ist es doch an noch zu vielen Stellen zu unrund. Es schlägt aber Windows 10. 🙂

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Meh

Bananenrepublik

Seit Freitag bin ich etwas krank, fühle mich schlapp, hab Kratzen im Hals, huste auch leicht. Normale Erkältung oder was ganz was Anderes? Meine Freundin, aus Singapur, meinte sogleich: „Geh zum Arzt! Du musst das checken lassen! Du könntest sonst weitere Leute anstecken.“

Ganz so abwegig ist der Gedanke ja nicht. Vor drei Wochen noch in Norditalien gewesen, Symptome, die durchaus in die Richtung Corona gehen, das außerdem weitgehend symptomarm verlaufen kann.

Meine Antwort trotzdem: „So einfach ist das hier nicht. Erst einmal ist Freitagnachmittag, da hat kein Arzt mehr auf. Du kannst dich höchstens in die überfüllte Notaufnahme setzen und dann andere Leute anstecken. Außerdem wollen die gar nicht, dass du zu einem Arzt gehst und dann weitere Leute ansteckst. Du sollst zuhause bleiben und dich bei den Behörden melden.“

Bei den Behörden melden ist so eine Sache, wie auch ein Erfahrungsbericht auf Jetzt.de sehr schön beschreibt. Es ist nämlich keiner zuständig für dich. Die, die es kümmert, sind hoffnungslos überlastet. Kaum einer mit Symptomen wird wirklich getestet, das kann das System gar nicht leisten. Das Virus verbreitet sich also munter weiter, die Zahlen können überhaupt nicht akkurat erfasst werden. Aber ein karrieregeiler Gesundheitsminister kann sich hinstellen und sagen, wir hätten das alles im Griff.

Wann haben wir dieses Gesundheitssystem eigentlich aufgegeben und warum? Es war mal nicht schlecht. Heute ist es ein zerfahrener Mist. Keiner ist für dich zuständig, Ärzte sind die meiste Zeit mit Schreibarbeit beschäftigt, wichtige Medikamente zahlen die Kassen nicht, auf einen Facharzttermin wartest du Monate. Das ist nicht alles Spahns Schuld, das haben größtenteils seine Vorgänger verbrochen. Etwas daran ändern will die Regierung aber offenbar auch nicht.

Wie das in Singapur läuft? Verdachtsfälle können eine Nummer anrufen, bei der rund um die Uhr jemand drangeht und sich kümmert. Sie können dann entweder selbst zum Arzt gehen, wo sie mit Mundschutz ausgestattet und isoliert werden, oder jemand zu sich nach Hause holen, der einen Test durchführt. Verdachtsfälle kommen kostenfrei ins Krankenhaus und werden mit bis zu 100 Singapur-Dollar (etwa 66 Euro) pro Tag entschädigt.

Ja, Singapur ist kleiner, hat weniger Einwohner, wird autoritär und zentral regiert. Dinge funktionieren dort. Ich will nicht sagen, dass wir hier eine autoritäre Regierung brauchen, aber der Föderalismus darf doch bitte keine Ausrede dafür sein, dass manche Dinge hier so dermaßen schlecht funktionieren. Was, wenn sich mal ein wirklich gefährliches Virus auf den Weg macht?

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Meh

Wenn ich noch einmal irgendwo vom „neuartigen“ Corona-Virus lese, raste ich aus!

Ja, diese Form des Virus‘ ist verhältnismäßig neuartig. Es gibt aber kaum noch 1 Menschen auf dieser ganzen Welt, der bis zum heutigen Tage nichts davon gehört hat. Kommt eine neue Form von Grippe-Virus, sagen auch alle nur „Grippe“. Die Medien wollen wohl nur irgendwie gelehrter klingen, indem sie ein „neuartig“ davor setzen. Sagt doch einfach: „das Corona-Virus“, oder „SARS CoV-2“, wenn ihr als schlau gelten wollt. Und fertig. Bitte!

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Yeah

Paar Kopfhörer und noch ein Auto dazu

Unabhängig davon, dass es meine Arbeit ist und ich hier gerade über ein Projekt meines Hauptauftraggebers schreibe, bin ich gerade mal richtig stolz auf meine Kollegen. Sie haben es angeleiert, dass ihr künftig in Euronics-Geschäften neben Fernsehern, Küchengeräten und Smartphones auch Elektroautos kaufen könnt. Ja, richtige Elektroautos. Den chinesischen Elektro-SUV Aiways U5.

Aiways U5

This is funny on so many levels: Mitten im Hoheitsgebiet von Daimler und Porsche verkauft Euronics also bald Autos, noch dazu eben nicht gute deutsche Wertarbeit von Daimler und Porsche (die bei dem Thema ja auch etwas hinterherhinken), sondern von einem chinesischen Anbieter. Ich stelle mir gerade einen 50-jährigen schwäbischen Fabrikarbeiter vor, der (wie gefühlt 2/3 der Leute da unten) beim Daimler schafft, morgens die „Eßlinger Zeitung“ aufschlägt und dann was davon liest, dass die Chinesen jetzt da sind. Dass man sich damit nicht nur Freunde macht, dürfte klar sein.

Zur Strafe funkt auch erst einmal Corona dazwischen (aber wo tut Corona das gerade nicht). Los geht’s mit dem Verkauf deswegen erst ein paar Monate später als geplant. Trotzdem voraussichtlich noch in diesem Jahr. Ich bin sehr gespannt!

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Allgemein

Mit dem Fahrrad zum Flughafen

Neulich beim Spazierengehen gesehen:

Mit dem Fahrrad zum Flughafen? Darauf muss man erstmal kommen…

Klar, CO2 sparen, wo immer es geht. Ich stelle mir nur gerade vor, du fliegst zwei Wochen in die Domrep, hinterlässt mit allem einen gigantischen ökologischen Fußabdruck, aber sparst immerhin 0,1% ein, wenn du nicht den blöden Flufhafenbus nimmst, sondern mit dem Fahrrad zum Flieger fährst. Wie auch immer du dann deinen Koffer transportierst…

Die viel wichtigere Frage ohnehin: Geht das überhaupt? Google Maps sagt ja:

Man käme ungefähr da raus, wo der Flughafenbus hält. Gibt es da einen Fahrradständer, vielleicht sogar einen überdachten für das Ökohipster-Lastrad oder Muttis E-Bike? Ich habe ehrlich gesagt nie drauf geachtet.

Der Flughafen Köln-Bonn gibt sich sehr fahrradfreundlich, sieht sich aber mehr als Destination für Ausflügler:

Das war’s dann aber auch schon an Infos. Nix zu Fahrradständern. Hast du einen Roller, kannst du ihn zu den gleichen Mondpreisen im Parkhaus abstellen.

Nicht unbedingt sinnvoll (außer vielleicht wenn ihr nur leichtes Gepäck für den Wochenendausflug dabei habt), sehr weite Anreise, ungewisse Parksituation. Ihr ahnt es bereits: Ich werde das ausprobieren wollen. Mal sehen, ob am Wochenende schönes Wetter ist…

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Meh

Sorry, mir war nach Lila.

Konnte kein Grün mehr sehen.

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Hm

Purpose

Du brauchst nen Purpose (alt-deutsch: Bestimmung oder Berufung) im Leben, sagen die Influencer. Brauchst du nicht, sagt Ralf Senftleben aktuell im „Zeit zu Leben“-Newsletter. Den Newsletter habe ich vor Ewigkeiten mal abonniert und nie abbestellt, auch wenn er mittlerweile zu einer grenzwertigen Verkaufsveranstaltung verkommen ist. Hin und wieder erinnern sie sich aber mal daran, was sie mal waren und worum es in dem Letter eigentlich ging. Heute also, direkt von der Leber weg die Einleitung:

„Liebe Leserin, lieber Leser,

du brauchst keine Vision.

Du brauchst auch keine Berufung.

Ziele brauchst du eigentlich auch nicht, obwohl Ziele manchmal schon nützlich sind, um deine Energie auf einen Punkt zu fokussieren.

Damit du Orientierung und Richtung im Leben bekommst, brauchst du nur eine Sache:

Du brauchst eine klare Idee davon, wer du bist und was dir wichtig ist im Leben. Dann ergeben sich die nächsten Schritte automatisch.“

Hells yeah! Geht doch!

Wobei ich mir manchmal schon denke, dass so eine Bestimmung ganz nett wäre. Viel können, aber gar nicht wissen, was man damit eigentlich anstellt, das wirkt wie verschenktes Potenzial. Irgendwie habe ich meinen Purpose noch nicht gefunden. Und ihr?

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Yeah

Serienflow

Woran ihr eine gute Serie erkennt? Daran, dass ihr zwischendurch nicht immer wieder auf stoppt drückt oder hofft, dass es endlich weitergeht mit der Geschichte. Bei den ersten beiden Folgen der 5. Staffel von „Better Call Saul“ ging es mir so. Ich wunderte mich, als Folge 1 schon vorbei war und ärgerte mich, als Folge 2 zu Ende ging und ich wusste, ich würde jetzt eine Woche auf die nächste Folge warten müssen. Auch wenn keinesfalls alles schlecht ist, was gerade sonst noch so läuft, hatte ich das schon lange nicht mehr bei einer Serie. Nicht einmal beim gerade beendeten „Hunters“ auf Amazon Video, was mir eigentlich auch gut gefallen hat.

Tony Dalton als Lalo Salamanca in Better Call Saul. Bild: Netflix
Tony Dalton als Lalo Salamanca in Better Call Saul. Bild: Netflix

Woran’s bei Saul liegt? Zum einen natürlich an der insgesamt vortrefflich absurden Story, zum anderen auch daran, dass es die Vor- und Nebengeschichte von „Breaking Bad“ ist und deswegen immer mal wieder der eine oder andere von dort schon bekannte Charakter ins Bild läuft. In der 5. Staffel gefällt mir aber besonders die schon Ende der 4. Staffel kurz eingeführte Figur des Lalo Salamanca, der nun mehr Sendezeit zu bekommen scheint. Herrlich gespielt von Tony Dalton. Ein Typ, der immer gut gelaunt wirkt, nie mehr redet, als er muss, und Widersachern wie Mitarbeitern betont charmant auf die Nerven geht. Mir huscht immer ein Lächeln über das Gesicht, wenn ich ihn sehe.

Das hatte ich zuletzt bei „Once Upon a Time in Hollywood“, wo es einfach Spaß gemacht hat, den beiden „alten“ Recken Leo und Brad dabei zuzusehen, wie sie einfach nur ihr Ding drehen. Und bei „JoJo Rabbit“ beim leider viel zu kurzen Gastspiel von Stephen Merchant als Gestapo-Offizier:

Also vielleicht sind es einfach nur gute Schauspieler, interessante Charaktere, eine gute Plotverdichtung oder ein Mix aus allem. Kriegt auf jeden Fall längst nicht jeder Film oder Serie hin.

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Yeah

Luddie and the Moon

Macht ganz anständige Bilder, die Canon EOS RP..

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Meh

Kein Entrhynnen

Corona ist in Deutschland angekommen. Ich weiß gar nicht mal, ob ich den Medien jetzt Schuld geben mag, dass das Thema nach ganz oben auf die Agenda gerutscht ist, denn irgendwie ist das Informationsbedürfnis auch bei mir recht hoch. Verwiesen sei trotzdem zuvorderst auf die Statistik von China CDC Weekly, die der „Spiegel“ tabellarisch hübsch aufgearbeitet hat:

„Spiegel“

Kurz zusammengefasst: Alte Menschen sterben eher an Corona als junge Menschen, genauso wie auch alte Menschen eher an Grippe-Viren sterben als junge Menschen. Sterblichkeitsrate für meine Altersgruppe: 0,4%, wenn ihr euch infizieren würdet.

So weit zu gehen, das Corona-Virus als harmlos abzutun, würde ich jetzt auch nicht. Laut dem Robert-Koch-Institut ist es „tödlicher als Grippe“. Und schon krass, wie schnell es sich ausbreitet und wie ansteckend es offenbar ist. Und, klar, liest man von tausenden Toten und darüber, dass sogar der junge Arzt, der das Virus als erster entdeckt hatte, mittlerweile daran gestorben ist, wird einem schon ganz anders. Besonders dann, wenn man um sein eigenes schwaches Immunsystem und die Vorgeschichte seiner Lungenerkrankungen weiß. Außerdem ist das gerade so etwas wie ein Stresstest der vollglobalisierten Welt. Maßnahmen, wie ganze norditalienische Städte abzuriegeln, mögen überzogen klingen, aber der Test ist eigentlich gut für den Fall, dass beim nächsten Mal ein richtig gefährliches Virus ausbricht.

Aber muss ich jetzt losrennen und auf Vorrat den Pennymarkt leerkaufen? Wohl eher nicht. Atemmasken könnten zwar Sinn ergeben, aber die auf der Straße oder im Fitnessstudio zu tragen, käme ich mir auch lächerlich vor.

Um zurück zu den Medien zu kommen: Informationen sind wichtig, Beruhigung wäre angebracht, aber langweilig. Lasst uns doch lieber ein bisschen Panik schüren:

"Welt"
„Welt“
"ntv"
„ntv“
"Express"
„Express“
"Bild"
„Bild“

Wobei das mit den Aktien leider stimmt. Die rauchen gerade wirklich ab. 🙁 Es hängt zu viel von China ab.

"Generalanzeiger Bonn"
„General-Anzeiger Bonn“
Der "Focus" schreibt sogar davon, dass Abschiebungen nach Italien jetzt ausgesetzt sind.
Der „Focus“ berichtet sogar davon, dass Abschiebungen nach Italien jetzt ausgesetzt seien.

Abschiebungen nach Italien?! „Raus mit dir aus unserem gelobten Land der Schwermütigkeit, auf dass du künftig unter blauem Himmel zu leben hast, echte Pasta essen musst statt überteuerte Nudeln mit Tiefkühlgemüse, und nur noch 1,20 Euro für einen Cappuccino bezahlst!“

(Die Regelung gibt es offenbar wirklich, dass Flüchtlinge, die zunächst in Italien Asyl beantragt haben und dann nach Deutschland weitergereist sind, zurück nach Italien müssen.)

Also was jetzt tun? Öfter mal zuhause bleiben, Virenschleudern aus dem Weg gehen, alles nicht so ernst nehmen.

Gut auf jeden Fall, dass wir Karneval schon hinter uns haben.

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Allgemein

Understanding Germans: Mustard

A good German enjoys his mustard especially on his Bratwurst im Brötchen (call it German hot dog if you will). Or on his grilled neck steak when watching an amateur football game or the annual Schützenfest parade (i.e. a sports riflemen’s parade, which has a long tradition in Germany, arming the public to defend villages against frightful militia in the Thirty Year’s War, that ended in 1648, and hence gives its members the only non-official opportunity in Germany to legally own guns, which can then be used for shootings in, let’s say, a shisha bar in Hanau or the assassination of a liberal politican in the same state but that’s a different story, I guess).

However, the German tongue cannot take spicy food so the traditionally hot mustard from Düsseldorf one day finally came out in a mild flavour. Its customers soon felt bored though, so the edgier ones started testing medium-spiced mustard instead. Yet that alone didn’t help. And now there’s mild medium hot mustard and spicy medium hot mustard:

So basically now there is a much larger variety to choose your mustard from. As well as there’s a much larger variety of Galaxy S20s and S10s to choose your next Samsung phone from. And that’s most likely not just a German but a whole first world thing now, isn’t it? And why it is? I don’t know. Maybe because simple is just too simple for us.

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OK

Ein Jahr ohne Süßigkeiten

Ein Kumpel erzählt gerne herum, ich hätte 1 Jahr kein Alkohol getrunken, und ich ernte dann respektvolle Blicke. Wenn ich dann einwerfe, dass es „nur“ Süßigkeiten waren, ist der Respekt schon nicht mehr ganz so groß. Zucker ist (noch) nicht allgemein als Droge anerkannt, sollte es in meinen Augen eigentlich aber.

Aber nun, wie war es denn so, dieses Jahr als Ex-Junkie? Kurz gesagt: Anfangs verdammt hart, und schwer ist es bis heute. Ihr müsst euch vorstellen, dass mein Süßigkeitenkonsum schon etwas Suchtartiges hatte. Ich aß Süßigkeiten eigentlich täglich und kannte kein wirkliches Maß. Was da war, habe ich meistens auch vertilgt. Egal ob die Schokolade dann 100 oder 300 Gramm hatte. Im Nachhinein betrachtet, ist es ein halbes Wunder, dass sich mein Gewicht noch halbwegs im Rahmen hielt. Mein „Rekord“, sofern ich mich erinnere, lag bei 93-94kg bei 1,84m Körpergröße. Das ist drüber, aber nicht exorbitant. Mittlerweile bin ich bei 76kg angelangt, womit ich mir deutlich besser gefalle.

Die ersten Wochen waren eine langsame Entwöhnung. Ich begann mit dem Verzicht noch in Singapur und gestand mir zwar keine „festen“ Süßigkeiten zu, wohl aber gesüßte Drinks. Und in Singapur gibt es da nicht nur die fantastischen Teh C oder Kopi C (jeweils mit reichlich gesüßter Kondensmilch und dazu noch Zucker aufgeschäumter Tee oder Kaffee) und dazu noch Snickers oder Mars als Drink. Aber im Endeffekt gar nicht so viel davon. Nach ein paar Monaten gab ich auch die gesüßten Drinks auf, statt Süßes zum Nachtisch gab es Nüsse. Ich betrieb eine Art Methadonprogramm. Und es wirkte. Es wurde weniger.

Mein Retter, wenn es ganz schlimm kam, waren zuckerfreie Zahnpflegekaugummis. Gerade nach dem Essen teilen die dem Körper anscheinend mit, dass er gerade Nachtisch bekommt. Dann ist erstmal Ruhe.

Anfangs musste ich die Augen schließen, wenn ich im Supermarkt am Süßigkeitenregal vorbei lief. Hundsgemein, was in dem Jahr alles auf den Markt kam! Oreos eingebaut in praktisch allem, von der Milka-Schokolade bishin zur Festtagstorte, roher Keksteig zum Löffeln, M&Ms in Erdnussbutter- oder Kaffeegeschmack. Ich stand vor dem Regel und muss geweint haben wie ein Präriehund.

Es dauerte ein ganzes verdammtes halbes Jahr bis ich halbwegs von dem ganzen Mist kuriert war. Ich ging dann etwas gelassener durch den Supermarkt. Das Zeug interessierte mich immer weniger. Angebote nach Kuchen schlug ich viel leichter aus.

Nach dem überstandenen Jahr begann ich das langsame Wiedereingewöhnen mit ein paar Stücken filipinischem Yema Cake zu Weihnachten (fantastisch!) und aß die Tage darauf nur ein paar kleine süße Snacks, wobei es blieb und was problemlos ging.

Wieder zurück in Deutschland durchstreifte ich das Süßigkeitenregal. Ich gestand mir zu, einmal richtig zuzuschlagen mit all dem, was ich in dem Jahr versäumt hatte. Ich ging das Regal auf und ab, durchsuchte alles genau, fand aber bei Gott nichts, was ich unbedingt kaufen wollte. Die Sache hatte ihren Reiz völlig verloren. Ich kaufte schließlich eine Packung Mars mit Brownie-Füllung – und war am Ende ziemlich enttäuscht. Coole Idee eigentlich, aber schmeckte wie purer Zucker ohne wesentlichen Hauptgeschmack. Dazu gummiartig in der Konsistenz. Und darauf hatte ich nun ein Jahr gewartet?

Mittlerweile ist der Alltag eingekehrt, ich kaufe mir hin und wieder jetzt was Süßes, wenn ich Bock drauf habe, oder esse ein Eis, wenn es lecker aussieht. Das alles längst nicht mehr täglich. Und doch, tatsächlich versuchen die alten Geister immer wieder durchzurufen. „Iss die ganze Tafel!“, „Du brauchst mehr!“. Ich weiß nicht einmal, woher das überhaupt kommt. Vor allem schreit mein Körper nach jeder größeren Mahlzeit immer noch lauthals „NACHTISCH“, warum auch immer. Ich hatte vor, es einfach natürlich handzuhaben, zu hoffen, der Körper gebe sich auch mit weniger zufrieden. Aber das ist gar nicht so einfach. Ohne Disziplin geht es nicht. Ich habe mir nun auferlegt, nichts mehr über 200 Gramm zu kaufen und nie mehr als die Hälfte davon auf einmal zu essen. Eine Art zweite Entwöhnung. Es ist hart, aber bisher klappt’s.

Aktuell liegt in meiner Vorratsschublade eine Tafel Kinderschokolade, die seit vier Tagen täglich um ein paar Riegel schrumpft. Früher hätte sie keinen Tag überlebt. Ganz klar ein Fortschritt. Und doch frage ich mich, wie das sein kann, dass Zucker eine derartige Sucht entfachen kann, die bei einem Raucher oder Alkoholiker kaum größer sein kann. Ganz ohne Zucker wäre es schon ein fades Leben, aber ob es klug ist, Süßigkeiten weiterhin als normale Mahlzeit zu betrachten und das Zeug in rauen Mengen zu Spottpreisen kaufen zu können? Irgendwie scheint mir das gar nicht gut zu sein.